VKE - Verband der Vertriebsfirmen Kosmetischer Erzeugnisse e.V.
Guylaine Le Loarer

Guylaine Le Loarer

Naturkosmetik: Was steckt dahinter?

Erläuterungen von Guylaine Le Loarer, Leiterin Forschung & Entwicklung der Börlind GmbH

1. Was ist grundsätzlich der Unterschied zwischen Natur- und konventioneller Kosmetik?
Im Prinzip liegt der Unterschied darin, dass sich Naturkosmetik ausschließlich haut- und umweltfreundlicher Rohstoffe bedient und auf synthetische Zusätze verzichtet. So ist Naturkosmetik – im Gegensatz zur konventionellen Kosmetik – beispielsweise frei von Silikonen, Erdölderivaten oder synthetischen Duftstoffen. Wo die konventionelle Kosmetik eine synthetische Grundlage aus Silikonen, PEGs mit einigen natürlichem Wirkstoffen enthält, bevorzugt die Naturkosmetik eine Grundlage aus natürlichen Ölen und naturnahe Derivate, die die Haut gut erkennen kann. So enthalten z.B. Öle Fettsäuren, die auch in der Haut vorhanden sind. Diese Fettsäuren stärken die Hautbarriere und befeuchten eine trockene Haut wieder. Silikonöle sind zwar gut verträglich, nur wirken die nicht auf der Haut.

2. Wirkt Naturkosmetik genauso effektiv wie die herkömmliche?
Auf jeden Fall! Naturkosmetik bedient sich der Rohstoffe, die der Haut vertraut sind, da sie natürlicher Bestandteil dieser sind. Die konventionelle Kosmetik hingegen beinhaltet viele synthetische Rohstoffe, die keine Hautanalogie haben. Entscheidend ist bei beiden Arten die Qualität und Zusammensetzung der jeweiligen Rohstoffe.
Wir führen dermatologische Tests bei unabhängigen Testinstituten durch, die Hautfeuchtigkeit, Hautglättung, die Faltentiefe usw. messen.

3. Wenn ich auf einem Produkt "Naturkosmetik" lese, kann ich mir dann sicher sein, dass das Produkt ausschließlich aus natürlichen (Roh-)Stoffen hergestellt wurde?
Nein, denn Naturkosmetik ist kein gesetzlich geschützter Begriff. 100% natürliche Rezepturen sind nur in Form von Ölen oder Balsamen möglich.
Um Emulsionen oder Duschpräparate zu entwickeln, werden naturnahe Inhaltstoffe wie Tenside oder Emulgatoren angewendet.

 

Diese werden durch zugelassene Reaktionen zwischen natürlichen nachwachsenden Rohstoffe gewonnen und können per Definition nicht ganz natürlich sein. Ohne diese Rohstoffe kann keine Kosmetik entwickelt werden.

4. Woran erkennt man echte Naturkosmetik?
Der Begriff "Naturkosmetik" ist gesetzlich nicht geschützt. Aus diesem Grund bedienen sich die Hersteller der Naturkosmetik-Siegel wie BDIH, NaTrue, Ecocert, Cosmos etc., die aufgrund ihrer Richtlinien bestätigen, dass das Produkt frei von Erdölderivaten, PEGs, Silikonen und Parabenen ist. Ebenfalls bestätigen die Siegel, dass das Kosmetikprodukt auf Basis natürlicher Inhaltsstoffe entwickelt wurde.

Mit den gängigen Siegeln werden jedoch lediglich die Produkte zertifiziert. Der Börlind GmbH ist jedoch eine Beurteilung und eine damit verbundene Zertifizierung des gesamten Unternehmens und seiner Produkte wichtig. Aus diesem Grund haben wir uns für eine Zertifizierung durch CSE (Certified Sustainable Economics) entschieden. Diese Richtlinien gehen deutlich über die Kriterien von üblichen Naturkosmetik-Zertifizierungen hinaus, weil nicht nur die Produkte, sondern das gesamte Unternehmen und dessen sozio-ökologische Grundhaltung überprüft und bestätigt werden.

5. Wie kann ich beim Kauf von Naturkosmetik sicher sein, dass das Produkt ohne Tierversuche entwickelt wurde?
Bereits seit 1989 verzichtet die deutsche Kosmetikindustrie freiwillig auf Tierversuche für kosmetische Fertigprodukte. Seit September 2004 sind diese EU-weit verboten. Tierversuche für Inhaltsstoffe von Kosmetikprodukten sind in der EU seit 2009 verboten. Bis vor kurzem galt noch für drei Sicherheitsaspekte - die sogenannten Endpunkte Allergie, Krebs oder Fortpflanzungsschäden – eine Ausnahmeregelung. Dies ist seit dem 11. März 2013 vorbei.

Das bedeutet aber nicht, dass Tierversuche damit nicht mehr durchgeführt werden. Das Tierversuchsverbot gilt nur für Stoffe, die allein für Kosmetik entwickelt und zugelassen wurden. Die Rohstoffe, die sowohl in kosmetischen Erzeugnissen als auch in Lebensmitteln, Pharmazeutika und Haushaltspflegemitteln genutzt werden, unterliegen der strengen REACH Verordnung. Jeder Rohstoff muss auf seine gesundheitliche Unbedenklichkeit getestet werden. Dafür werden weiterhin Tests an Tieren durchgeführt!

Da also nicht ausgeschlossen werden kann, dass ein Stoff irgendwann einmal von dritter Seite im Tierversuch getestet wurde, kann von keinem Kosmetikprodukt mit letzter Sicherheit gesagt werden, dass es tierversuchsfrei ist.
Hersteller, die das von ihren Produkten behaupten, laufen Gefahr, sich dem Vorwurf der Irreführung auszusetzen.

 

6. Was bedeutet vegane Kosmetik?
Unter Veganismus versteht man eine Lebensweise, die sowohl eine Nutzung von Tieren als auch tierischen Produkten ablehnt. Vegane Kosmetik ist also nicht nur frei von Tierextrakten (wie z.B. Karmin) sondern auch frei von Erzeugnissen, die einen tierischen Ursprung haben, wie z.B. Bienenwachs oder Honig.

7. Wie lange ist Naturkosmetik haltbar?
Genau wie bei der konventionellen Kosmetik gilt auch für Naturkosmetik, dass die Produkte im geschlossenen Zustand mindestens 30 Monate haltbar sind. Nur Kosmetikprodukte, die im ungeöffneten Zustand weniger als 30 Monate Haltbarkeit besitzen, müssen mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum versehen werden. Entscheidender ist die Haltbarkeit im geöffneten Zustand. Dafür hat die EU-Kommission das Symbol des geöffneten Cremetopfes eingeführt. Im Topf befindet sich die Angabe, wie lange nach dem Öffnen das Produkt verwendet werden kann. 6M bedeutet zum Beispiel 6 Monate. Für diesen Zeitraum garantieren die Hersteller, dass das Produkt stabil bleibt.

8. Welche Tests durchlaufen die Produkte, bevor sie auf den Markt kommen?
Jedes hergestellte Labormuster muss Stabilitätstests bestehen. Parallel dazu wird die Emulsion unter dem Mikroskop auf ihre Feinheit überprüft. Dabei ist eine feine, homogene Verteilung von Wasser- und Öltröpfchen wichtig. Bei jedem Versuch wird das Hautgefühl von mehreren Personen getestet, um eine optimale Haptik des Produktes zu erreichen. Erst dann werden weitere Schritte eingeleitet, die für die Markteinführung eines Produktes nötig sind: Konservierungsbelastungstests, externe Wirksamkeitstests und externe Verträglichkeitstests.

9. Hat Naturkosmetik auch Nachteile?
Die Produktentwicklung ist auf jeden Fall herausfordernder. Im Vergleich zur konventionellen Kosmetik liegt der Anteil an Rohstoffen, die uns zur Verfügung stehen gerade einmal bei 10%. Auch ist es uns bislang noch nicht gelungen, alle Produktarten wie z.B. HD-MakeUp oder wasserfeste Mascara anzubieten.

10. Können ätherische Öle Allergien auslösen?
Man kann nicht pauschal sagen, dass ätherische Öle Allergien auslösen. Das stimmt nicht. Die Experten in der Parfümindustrie wissen, welche Bestandteile in ätherischen Ölen allergen sein können. Seit 2005 sind einige dieser Allergene auf den Produktfaltschachteln aufgeführt. Wichtig ist die sorgfältige Auswahl, Lagerung und Einarbeitung in ein Parfum – und später auch in die Creme. Hier gelten sehr strenge Richtlinien.

Dennoch verzichten wir bei Börlind auf den Einsatz ätherischer Öle von denen ein erhöhtes Allergierisiko ausgeht.