VKE - Verband der Vertriebsfirmen Kosmetischer Erzeugnisse e.V.

Ich mag dich nicht – aber ich kooperiere mit dir
Denkanstöße für den Umgang mit unliebsamen Mitarbeitern, Chefs, Kunden...

Ein Beitrag von Katrin Seifarth, Trainerin, Coach, Moderatorin und Autorin

Katrin Seifarth
Katrin Seifarth

Sind sie noch auf der Suche nach einem guten Vorsatz fürs neue Jahr, der sich wirklich lohnt? Ich meine jetzt nicht so etwas Gängiges wie nicht mehr Rauchen oder Abnehmen, sondern etwas wunderbar Zwischenmenschliches.

Wir alle haben sie in unserem Umfeld und kennen sie: Menschen, die wir nicht so gerne mögen. Im Idealfall – so glauben wir - können wir sie meiden, aber oft eben auch nicht. Der neue Chef ist überhaupt nicht auf meiner Wellenlänge. Mein neuer Mitarbeiter entpuppt sich als Typ Mensch, dem ich eigentlich nie wieder begegnen wollte, mein (potenzieller) Kunde löst in mir sofort eine Blockade aus, der Kollege benimmt sich seltsam und selbst im privaten Bereich taucht da der neue Freund meiner Tochter auf, der mir irgendwie unsympathisch ist.

Machen Sie doch aus der vermeintlichen Katastrophe eine Chance. Wie das geht? Hier ein paar Tipps dazu:

Tipp 1: Es hat nichts mit Ihnen zu tun

Frau mit roter Bluse

Jeder Mensch handelt in jeder Situation so wie er es für richtig hält und wie es vor allem ihm selbst gut tut. Jeder Mensch handelt also mit einer positiven Absicht. Das heißt natürlich nicht zwangsläufig, dass dieses Verhalten anderer Ihnen auch gut tut. Reagiert Ihr Gegenüber beispielsweise extrem aggressiv, so geht es ihm vielleicht gut dabei, mal irgendwo Dampf abzulassen. Fühlt sich jemand durch eine Aussage von Ihnen angegriffen und ist beispielsweise beleidigt, so hat die Person an dieser Stelle wohl einen wunden Punkt, den Sie zufällig getroffen haben. Die Reaktion hat also primär mit Ihrem Gegenüber zu tun und nicht mit Ihnen. Wenn Sie so denken, können Sie sich zum anderen in Distanz setzen und es gelingt Ihnen besser, sein Verhalten nicht persönlich zu nehmen.

Fragen Sie sich also immer: "Welches Problem könnte der andere gerade haben?" statt die Schuld bei sich zu suchen oder die Reaktion persönlich zu nehmen. Wenn es Ihnen schwer fällt, sich in Distanz zu setzen, was in sehr emotionalen Beziehungen oft der Fall ist, stellen Sie sich vor, Sie sind ein Vogel und schweben über den Dingen und schauen auf die beiden Konfliktparteien hinab. Was beobachten Sie, was sehen Sie?

Tipp 2: Unterbrechen Sie Ihr bisheriges Reiz-Reaktions-Muster

Stopp-Knopf

Genauso wie Sie beim anderen durch einen Satz, eine Geste oder ein Verhalten eine bestimmte Reaktion auslösen, löst das Verhalten oder die Kommunikation des anderen bei Ihnen eine bestimmte Reaktion aus. Dies liegt an Referenzerlebnissen aus unserer Vergangenheit, die ein bestimmtes Bild und leider oft auch ein gewissen Schubladendenken prägen. Ein Baby lächelt die meisten Menschen zunächst einmal an und ist ihnen wohlgesonnen. Je älter wir werden, umso mehr Erfahrungen haben wir mit verschiedenen Menschen gesammelt und daher haben wir bestimmte Reiz-Reaktions-Muster. Wir kennen das aus unserem privaten Umfeld. Jemand lässt z.B. etwas herumliegen, und wir fühlen uns angegriffen; jemand schaut uns bloß an und ist uns sofort unsympathisch; jemand redet auffallend laut oder prahlt und landet in unser "Aufschneider-Schublade"; jemand betritt den Raum schüchtern und mit hängenden Schultern und landet in unserer "Kann-nix-Schublade". Wir sind also einem bestimmten Reiz ausgesetzt und sortieren den Menschen automatisch in unser langjährig etabliertes Schubladen-System ein. Und wir reagieren fast immer gleich. Stecken die Menschen erst einmal in unseren Schubladen, haben sie oft gar keine Chance, uns positiv zu überraschen. Wir brauchen sie nur zu sehen, und unser innerer "Ich-mag-Dich-Nicht-Film" läuft ab. Die Zusammenarbeit oder das Kundengespräch kann nur schwierig werden, das ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Was können Sie tun? Sobald Sie bei sich vorschnelle Gedanken über den anderen wahrnehmen, z.B. in Form von "Wie der schon angezogen ist, da weiß ich schon was kommt....", in Form von, "Wie der schon spricht, der kann bestimmt nichts..." oder in Form von "Der schon wieder...", halten Sie inne.

Drücken Sie innerlich auf einen Stopp-Knopf und schalten Sie Ihr Bewertungsprogramm ab. Machen Sie sich einen Sport daraus, Ihr eigenes Muster zu durchbrechen. Statt z.B. auf aggressives Verhalten ebenfalls mit Aggression zu reagieren, reagieren Sie doch einmal bewusst freundlich. Statt einen schüchternen Menschen in Ihre "Kann-nix-Schublade" zu stecken, versuchen Sie doch einfach einmal mehr über die Person zu erfahren und sich dann erst ein Urteil zu bilden. Üben Sie einmal bewusst, Ihre automatisierten Reaktionen auf Menschen zu stoppen und einfach auf andere Art zu reagieren. Dies kann eine extrem bereichernde Erfahrung sein.

Meistens hat unsere Reaktion übrigens mit unsere eigenen Baustellen zu tun. Wenn Sie beispielsweise selbst wenig selbstbewusst sind, reagieren Sie sicher viel extremer auf arrogantes Verhalten als wenn Sie mit gesundem Selbstbewusstsein ausgestattet sind.

 

Tipp 3: Suchen Sie das Positive am Anderen

Lupe

Wenn Ihnen das Drücken des Stopp-Knopfes gelingt ist bereits ein neuer Weg gebahnt. Und gehen Sie einen Schritt weiter: stellen Sie sich bei jedem Menschen, der Ihnen auf den ersten Blick unsympathisch ist, oder bei jedem Menschen, mit dem Sie ungerne zusammenarbeiten, dessen positive Eigenschaften vor. Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Lupe und müssten danach suchen. Finden Sie pro Person mindestens drei Dinge, die positiv sind. Der aggressive Geschäftspartner hat beispielsweise viel Temperament und Begeisterungsfähigkeit für neue Ideen. Der bockige Kunde hat vielleicht eine immense Kreativität, der stille Mitarbeiter ist vielleicht ein Stabilitätsfaktor für das Team, der rechthaberische Chef ein starker Visionär, etc.

Bei längerfristigen Geschäftsbeziehungen können Sie Ihre Suche nach den positiven Eigenschaften schriftlich dokumentieren. Sie können z.B. über den anderen eine Liste mit positiven Eigenschaften schreiben und diese fortlaufend ergänzen. Dies hilft oft, um den Fokus von der rein negativen Betrachtungsweise zu rücken und die Dinge zu relativieren. Kein Mensch ist durch und durch schlecht. Jeder Mensch hat einfach andere Potenziale. Wenn es Ihnen gelingt, das Positive am anderen zu sehen, werden Sie automatisch dem anderen gegenüber aufgeschlossen sein und somit bessere Lösungen produzieren. Es hilft alles nichts, Sie müssen ja mit ihm arbeiten, ihn bedienen oder mit ihm in einer Geschäftsbeziehung stehen. Also gestalten Sie diese Beziehung lieber schön. Bei kurzfristigen Beziehungen, z.B. einem Kunden im Geschäft, einem Anrufer, einem Bewerber, etc. können Sie sich einen lustigen Sport daraus machen, innerhalb von 5 Sekunden, mindestens 3 positive Eigenschaften zu finden. Sie werden sich wundern, wie positiv diese Übung Ihr Leben beeinflussen kann und wie Sie zu der Person einen besseren Zugang finden.

Ich wünsche Ihnen ganz viel Spaß dabei, sich neu mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Ich wünsche Ihnen viele neue Erkenntnisse über sich selbst und andere und viele bereichernde Momente. Und wenn es so gar nicht funktionieren will, können Sie immer noch versuchen, der Beziehung zu entkommen. Aber bis dahin gibt es einen Strauß voller Möglichkeiten. Machen Sie ihn bunt.

Ihre Katrin Seifarth

Weitere Tipps zum Thema in der nächstens Ausgabe im März 2015

Bildnachweis:
Stopp-Knopf, Frau mit roter Bluse: shutterstock
Lupe: 123rf.com