VKE - Verband der Vertriebsfirmen Kosmetischer Erzeugnisse e.V.

Mir gefällt die Haltung meines Mitarbeiters nicht

Coaching Tipps mit Katrin Seifarth

Katrin Seifarth

Katrin Seifarth

Frage:

Ich komme mit der Einstellung meines neuen jungen Mitarbeiters einfach nicht klar. Es ist ein ständiges Hinterfragen jeder Anweisung und gleichzeitig eine massive Unselbständigkeit. Wie kann ich mit dieser Arbeits-Moral umgehen?

Antwort Katrin Seifarth:

Mir begegnet die Frage momentan sehr oft in meinen Führungskräfte-Coachings. Meine erste Frage ist dann immer: „Welche Verhaltensweisen schädigen das Geschäft bzw. das Ergebnis, und welche sind einfach nur unangenehm und gewöhnungsbedürftig?“ So ist z.B. ein Mitarbeiter mit Kundenkontakt der täglich 30 Minuten zu spät kommt, sicher „wenig förderlich“ für das Geschäft. Ein Mitarbeiter, der oft hinterfragt, warum er eine Aufgabe ausführen soll, vielleicht nur unangenehm für die Führungskraft. Ein paar Tipps, zu den konkreten Fragen:

  1. Gerade junge Mitarbeiter fordern eines ganz besonders: Sinn! Das Hinterfragen von Anweisungen mag Ihnen als Führungskraft lästig vorkommen. Sehen Sie es als große Chance zur Selbstreflektion. Was unsinnig erscheint, wird hinterfragt. Stellen Sie daher bei jeder Anweisung den Kontext her, d.h. wie zahlt eine Aufgabe auf das große Ganze ein. Dann sparen Sie sich viel „Hinterfragerei“. Und nutzen Sie das Nachfragen, um wirklich zu hinterfragen. Mir begegnen in Unternehmen immer wieder sinnlose Aufgaben, die der Selbstverwaltung, aber nicht dem Kunden, dienen. Freuen Sie sich, dass diese endlich jemand sieht und thematisiert.
     
  2. Was die wahrgenommene Unselbständigkeit angeht, so beobachte ich in der Tat an vielen Stellen Entwicklungspotenzial. Ihr Mitarbeiter scheint der Generation der Helikopter- und Rasenmähereltern zu entstammen, die ihren Kindern jeden Grashalm aus dem Weg geräumt haben. Bei dem Erziehungsstil kann ich keine Selbständigkeit lernen. Schaffen Sie ein Klima von Mut und Vertrauen, statt sich hier aufzuregen, denn Sie können Menschen nicht ändern, aber formen . D.h. formulieren Sie klare Erwartungen, z.B. „Ich erwarte, dass du mit einem Lösungsvorschlag zu mir kommst, wenn es ein Problem gibt“. Und schaffen Sie Mut zur Eigeninitiative durch Sätze wie „Du hast mein vollstes Vertrauen“ oder „Du darfst Fehler machen“. Natürlich sollten Sie diese Sätze nicht nur äußern, sondern auch leben. Hier ist vielleicht bei Ihnen und in Ihrem Unternehmen auch noch Luft nach oben?

In diesem Sinne: Nutzen Sie diese Unterschiede und sämtliche andere Unterschiede, um sich auch selbst zu reflektieren und zu lernen. Nichts ist schlimmer und weniger dynamisch als festgefahrene Meinungen.

Katrin Seifarth, KS@remove-this.train-effect.de